Remifentanilsäure-tert-butylester

Strukturformel
Remifentanilsäure-tert-butylester
Allgemeines
Name Remifentanilsäure-tert-butylester
Andere Namen
  • Methyl-1-{3-[(2-methyl-2-propanyl)oxy]-3-oxopropyl}-4-[phenyl(propionyl)amino]-4-piperidincarboxylat
  • 4-Methoxycarbonyl-4-(N-phenyl-N-propanoylamino)piperidin-1-propionsäure-tert-butylester
Summenformel C23H34N2O5
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 132876-50-7
PubChem 14873755
ChemSpider 23161517
Wikidata Q108118056
Eigenschaften
Molare Masse 418,53 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar[1]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Remifentanilsäure-tert-butylester ist ein Analogon des Remifentanil, bei dem der Methylester der Seitenkette durch einen tert-Butylester ersetzt ist. Durch diese Strukturänderung werden die pharmakologischen Eigenschaften von Remifentanil signifikant verändert.

Remifentanilsäure-tert-butylester ist ein ultrapotentes Opioid, das über 150.000 mal potenter als Morphin ist und 1991 erstmals in der Literatur beschrieben wurde.[2] Im Gegensatz zum ultrakurzwirksamen Remifentanil handelt es sich bei Remifentanilsäure-tert-butylester um ein Opioid mit deutlich längerer Wirkungsdauer. Die längere Wirkung ist auf den vergleichsweise großen tert-Butyl-Rest der Ester-Seitenkette zurückzuführen. Während Remifentanil sehr schnell durch Esterasen unter Bildung von inaktiver Remifentanilsäure metabolisiert wird, zeigt der Remifentanilsäure-tert-butylester eine sehr große metabolische Stabilität gegenüber enzymatischem Abbau. Zusätzlich zur Verlängerung der Wirkungsdauer steigt die analgetische Potenz außerordentlich stark auf das über 200-fache an.

Im direkten Vergleich ist Remifentanilsäure-tert-butylester 210 mal potenter als Remifentanil und 25 mal potenter als Carfentanil. Mit einem ED50-Wert von 21 ng/kg dürfte es sich höchstwahrscheinlich um das mit Abstand potenteste Opioid handeln.

Die folgende Tabelle zeigt die Abhängigkeit der analgetischen Potenz (ED50 - Werte) einiger Remifentanilsäure-tert-butylester Analoga von der Struktur des Ester-Restes der Seitenkette und die entsprechenden ED50-Werte von Carfentanil, Fentanyl, Sufentanil und Morphin als Referenz-Opioide.


Tabelle der ED50-Werte verschiedener Remifentanilsäureester (Ratte i.v., Rattenschwanzreflex)

Substanz Ester-Alkyl ED50 (mg/kg) Wirkungsdauer (min)
Remifentanil CH3 0,0044 15
Remifentanilsäureethylester C2H5 0,0017 10
Remifentanilsäurepropylester n-C3H7 0,14 20
Remifentanilsäureisopropylester i-C3H7 <  0,03 10
Remifentanilsäurebutylester n-C4H9 0,17 5
Remifentanilsäure-sec-butylester CH(CH3)CH2CH3 0,046 5
Remifentanilsäureisobutylester CH2CH(CH3)2 0,015 5
Remifentanilsäure-tert-butylester C(CH3)3 0,000021 85
Remifentanilsäurepentylester n-C5H11 0,17 15
Remifentanilsäure-2-methylbut-1-ylester CH2CH(CH3)CH2CH3 0,18 5
Remifentanilsäureisoamylester CH2CH2CH(CH3)2 0,16 15
Remifentanilsäureneopentylester CH2C(CH3)3 0,22 10
Remifentanilsäurehexylester n-C6H13 0,4 25
Remifentanilsäureheptylester n-C7H15 1,7 10
Remifentanilsäureoctylester n-C8H17 >  3,0 -
Carfentanil - 0,00052 45
Fentanyl - 0,0046 60
Sufentanil - 0,0013 80
Morphin1 - 3,21 -

1 Gleiche Testmethode (Ratte i.v., Rattenschwanzreflex). Der Morphin ED50-Wert sollte jedoch nur als Orientierungswert dienen, da er einer anderen Studie entnommen wurde (Van Bever et al.: "N-4-Substituted 1-(2-arylethyl)-4-piperidinyl-N-phenylpropanamides, a novel series of extremely potent analgesics with unusually high safety margin." Arzneimittelforschung. 1976, 26, 1548–1551). Auch bei gleicher Testmethode können ED50-Werte aus verschiedenen Studien etwas variieren.


Neben der Struktur der Ester-Gruppe der Seitenkette in den Remifentanilsäureestern beeinflusst auch der Abstand der Ester-Gruppe vom basischen Piperidin-N-Atom die analgetische Potenz. Bei Remifentanilsäure-tert-butylester und auch bei Remifentanil ist die Ester-Gruppe über einen Ethylen-Spacer (-CH2CH2-) an das N-Atom gebunden. Als optimal erwies sich (zumindest bei Remifentanil analogen Methylestern) ein Propylen-Spacer (-CH2CH2CH2-), wodurch die analgetische Potenz von Remifentanil auf das 2,75-fache ansteigt. Die folgende Tabelle zeigt die Abhängigkeit der analgetischen Potenz von Remifentanil-Derivaten vom Abstand (Länge des Alkylen-Spacers) der Methylester-Gruppe vom basischen Piperidin-N-Atom.


Tabelle der ED50-Werte verschiedener Remifentanil-Derivate in Abhängigkeit von der Länge des Alkylen-Spacers (Ratte i.v., Rattenschwanzreflex)

Länge Alkylen-Spacer ED50 (mg/kg) Wirkungsdauer (min)
-CH2- 39,1 60
-CH2CH2- (Remifentanil) 0,0044 15
-CH2CH2CH2- 0,0016 20
-CH2CH2CH2CH2- 0,8 30

Ob bei Remifentanilsäure-tert-butylester ein Austausch des -CH2CH2- Spacers gegen einen -CH2CH2-CH2- Spacer die analgetische Potenz weiter ansteigen lässt, ist nicht bekannt. Der so resultierende 4-Methoxycarbonyl-4-(N-phenyl-N-propanoylamino)piperidin-1-butansäure-tert-butylester wurde bisher nicht in der Literatur beschrieben.

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. ↑ Paul L. Feldman, Michael K. James, Marcus F. Brackeen, Joanne M. Bilotta, Suzanne V. Schuster, Avis P. Lahey, Michael W. Lutz, M. Ross Johnson, H. Jeff Leighton: Design, synthesis, and pharmacological evaluation of ultrashort- to long-acting opioid analgesics. In: Journal of Medicinal Chemistry. Band 34, Nr. 7, 1991, S. 2202–2208, doi:10.1021/jm00111a041.