Hexachloroplatinsäure

Strukturformel
2 Struktur des H+-Ions   Struktur des Hexachloroplatinat-Ions
Allgemeines
Name Hexachloroplatin(IV)-säure
Andere Namen
  • Dihydrogenhexachloroplatinat(IV)
  • Chloroplatinsäure
  • Hexachloroplatinsäure
  • CHLOROPLATINIC ACID (INCI)[1]
Summenformel
  • H2[PtCl6] (wasserfreie Säure)
  • H2[PtCl6] · 6 H2O (Hexahydrat)
Kurzbeschreibung

orangefarbener, geruchloser, kristalliner Feststoff[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 241-010-7
ECHA-InfoCard 100.037.267
PubChem 61859
Wikidata Q411467
Eigenschaften
Molare Masse 409,81 g·mol−1 (wasserfrei)

517,90 g·mol−1 (Hexahydrat)

Aggregatzustand

fest

Dichte
  • 2,4 g·cm−3 (wasserfrei)[2]
  • 4 g·cm−3 (Hexahydrat)[3]
Schmelzpunkt
  • 60 °C (wasserfrei)[2]
  • 150 °C (Hexahydrat)[3]
Löslichkeit

löslich in Wasser[3][2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[4] ggf. erweitert[2]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 290​‐​300​‐​314​‐​317​‐​334​‐​372​‐​410
P: 273​‐​280​‐​301+330+331+310​‐​303+361+353​‐​305+351+338+310​‐​342+311[2]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Hexachloroplatinsäure H2[PtCl6] ist eine chemische Verbindung. Reine Hexachloroplatinsäure ist eine gelbe bis schwach orange, stark hygroskopische, an der Luft zerfließliche Substanz. Bei oft minimal vorhandenen Iridium-Verunreinigungen variiert die Farbe von Rot bis Braun oder ist noch dunkler. Die Salze der Hexachloroplatinsäure bezeichnet man als Hexachloroplatinate. In Isopropanol gelöst wird Hexachloroplatinsäure auch als Speier-Präkatalysator bezeichnet.[5][6]

Darstellung

Hexachloroplatinsäure-Kristalle H2[PtCl6]·6 H2O

Hexachloroplatinsäure kann durch oxidative Auflösung von Platin in Königswasser dargestellt werden:

Platin löst sich in Königswasser unter Bildung von Hexachloroplatinsäure.[7]

Aus wässriger Lösung entsteht dabei das Hexachloroplatinsäure-Hexahydrat H2[PtCl6] · 6 H2O, welches sich bis zum Dihydrat entwässern lässt.[8] Darüber hinaus erfolgt ein Zerfall in Wasser, Salzsäure und Platintetrachlorid, da die Protonen der Oxonium-Ionen nach dem Entzug des Wassers keine geeignete Koordinationsstelle am [PtCl6]2−-Ion finden.

Salze

Bei der Umsetzung der Säure mit verschiedenen Kationen wie Kalium (K+), Rubidium (Rb+), Cäsium (Cs+), Ammonium (NH4+), Silber (Ag+) und Thallium (Tl+) entstehen dabei schwerlösliche gelbe Niederschläge der allgemeinen Formel M2[PtCl6], die Hexachloroplatinate.[8]

Verwendung

Hexachloroplatinsäure ist Ausgangsverbindung zur Synthese platinhaltiger Zytostatika, z. B. Cisplatin, Oxaliplatin oder Carboplatin. Hexachloroplatinsäure wird zur Herstellung von Katalysatoren durch Imprägnierung von Trägersubstanzen, zum Beispiel für den Drei-Wege-Katalysator oder für das katalytische Reforming verwendet. Durch Wahl der Imprägnierungsbedingungen kann dabei die Verteilung des Metalls auf dem Träger eingestellt werden.[9]

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag zu CHLOROPLATINIC ACID in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 25. September 2021.
  2. ↑ a b c d e f Eintrag zu Hexachloroplatinsäure in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 3. Januar 2023. (JavaScript erforderlich)
  3. ↑ a b c Datenblatt Hexachloroplatin(IV)-säure Hexahydrat (PDF) bei Carl Roth, abgerufen am 27. Januar 2022.
  4. ↑ Eintrag zu Hexachloroplatinic acid in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  5. ↑ Christoph Elschenbroich: Organometallchemie. 6. Auflage. Teubner Studienbücher Chemie, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8351-0167-8, S. 617.
  6. ↑ Steinborn: Grundlagen der Metallorganischen Komplexkatalyse. 3. Auflage. Springer Spektrum, ISBN 978-3-662-56603-9, S. 397, doi:10.1007/978-3-662-56604-6.
  7. ↑ Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
  8. ↑ a b A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 91.–100., verbesserte und stark erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-007511-3.
  9. ↑ Th. Mang, B. .Breitscheidel, P. .Polanek, H. Knözinger: Adsorption of platinum complexes on silica and alumina: Preparation of non-uniform metal distributions within support pellets. In: Applied Catalysis A: General. 106, 1993, S. 239–258, doi:10.1016/0926-860X(93)80180-X.