A. L. Bruns & Söhne

1888–1890 von Ernst Grelle und Otto Bollweg für A. L. Bruns & Söhne erbaute Fabrik;
an der Hildesheimer Straße in Hannover-Wülfel; Briefkopf mit Vogelschau von Carl Weddigen, Barmen

A. L. Bruns & Söhne, kurz auch Bruns & Söhne genannt,[1] war eine der bedeutendsten Tabakwaren-[2] und Zigaretten-Fabriken in Hannover. Letzter Standort des im 19. Jahrhundert gegründeten und in den 1970er Jahren eingestellten Unternehmens war die Hildesheimer Straße im hannoverschen Stadtteil Wülfel.[3]

Geschichte

Einwickelpapier für Kautabak mit der gesetzlich geschützten Marke „Tabak mit der Spinne“; um 1910
Reklame „Bruns-Zigarren“ an Giebelwand in Berlin (Potsdamer Straße).

Die zur Zeit des Königreichs Hannover im Jahr 1820 in der Residenzstadt Hannover gegründete[3] Tabak-, Zigarren- und Zigarettenfabrik[2] verzeichnete das Hannoversche Adreß-Buch für das Jahr 1821 zunächst als Bruns und Meyer, Tabaksfabrikanten unter der Adresse Marktstraße 488.[4] Von diesen Fabrikanten war August Ludwig Bruns der Namensgeber der später auch A. L. Bruns genannten Firma.[5]

In der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs meldete A. L. Bruns & Söhne beim nunmehr (königlich preußischen) Amtsgericht Hannover am 20. Mai 1875 ihre Tabakverpackung unter der Nummer 12 zum Markenschutz an.[6]

Nach dem Bau verschiedener Fabrik-Neubauten in den Jahren 1888 bis 1890 nach Plänen der Architekten Ernst Grelle und Otto Bollweg an der Hildesheimer Straße[7] übersiedelte die Firma A. L. Bruns & Söhne an ihren neuen Standort in das seinerzeit noch selbstständige Dorf Wülfel.[3]

Das Markenzeichen des Unternehmens, der „Tabak mit der Spinne“, prangte zur Straßenfront an der Hildesheimer Straße und zeigte eine Spinne in ihrem selbstgebauten Netz.[3]

Grabstein der Familie F. W. Winkelhoff auf dem Alten Wülfeler Friedhof

Zeitweiliger Teilhaber der Tabak-Fabrik war Albert Winkelhoff, Vater des späteren Juniorchefs und Prokuristen Werner Winkelhoff (* 9. August 1895 in Hannover), der 1920 die Schauspielerin und Tänzerin Jutta Ilse Zambona (* 28. August 1901 in Hildesheim) heiratete. Die Ehe hielt jedoch nur bis zur Scheidung 1924; Zambona heiratete anschließend den bei dem Gummiwarenhersteller Continental AG in Hannover als Redakteur für die Zeitschrift Echo Continental tätigen Schriftsteller Erich Maria Remarque.[8]

Am 16. Dezember 1976 wurde die zuletzt als e. K. im Handelsregister beim Amtsgericht Hannover unter der Nummer HRA 15275 geführte Firma gelöscht.[9] Bald nach der Einstellung des Betriebes wurden die Fabrikgebäude abgerissen. Auf dem ehemaligen Firmengelände richtete sich in der Folge eine freireligiöse Glaubensgemeinde ein;[3] die Mormonen errichteten hier ein Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.[10]

Literatur

  • Albert Winkelhoff: Gedenkschrift zum 100 jährigen Bestehen der Firma A. L. Bruns & Söhne in Hannover-Wülfel. Juli 1820–1920, König & Ebhardt, Hannover 1920[11]

Archivalien

Archivalien von und über das Unternehmen finden sich beispielsweise

Commons: A. L. Bruns & Söhne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Vergleiche die Angaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB)
  2. ↑ a b Ludwig Hoerner: Tabakwarenfabriken und -handlungen, in ders.: Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe-ABC 1800–1900. Hrsg.: Hannoversche Volksbank, Reichold, Hannover 1995, ISBN 3-930459-09-4, S. 438f.; hier: S. 439
  3. ↑ a b c d e Rainer Ertel: Kaffee und Tabak, in ders.: Da war doch mal was. Auf Spurensuche in Hannover, 2. Auflage, Norderstedt: Books on Demand, 2018, ISBN 978-3-7528-8020-5 und ISBN 3-7528-8020-1, S. 60f.; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. ↑ Alphabetisches Verzeichniß der hiesigen Einwohner mit Bemerkung ihres Geschäfts, der Straßen in welchen dieselben wohnen und der Hausnummer, in: Hannoversches Adreß-Buch für das Jahr 1821, Hannover: Königliche Hof-Buchdruckerei S. L. Lamminger und Rosenbusch, 1821, S. 26; Digitalisat der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek
  5. ↑ Karl Karmarsch, Theodor Oldekop (Red.): Mittheilungen des Gewerbevereins für das Königreich Hannover, Jahrgang 1842–1843 oder Lieferung 28–43, Hannover: in Kommission der Hahn’schen Hofbuchhandlung, 1843, Spalte 375f.; Digitalisat über Google-Bücher
  6. ↑ M. W. Lassally (Hrsg.): Der Markenschutz. Allgemeines Zeichen-Register für das Deutsche Reich, Berlin: M. W. Lassally, 1875, S. 33; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. ↑ Reinhard Glaß: Grelle, Ernst in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) auf der Seite glass-portal.hier-im-netz.de, zuletzt abgerufen am 4. Januar 2025
  8. ↑ Anna Eunike Röhrig: Ilse Jutta Zambona – eine biographische Skizze / Erich Maria Remarques zweimalige Ehefrau stammte aus Hildesheim, in Thomas F. Schneider (Red.): Erich-Maria-Remarque-Jahrbuch = Erich Maria Remarque yearbook, herausgegeben im Auftrag des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums Osnabrück, Band XVI (2006), Göttingen: V & R unipress; Osnabrück: Universitäts-Verlag, 2006, ISBN 3-89971-335-4, S. 90–95; hier: S. 91; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. ↑ Vergleiche die Angaben auf der Seite northdata.de
  10. ↑ Jens Schade: Damals in Wülfel: Die alte Tabakfabrik, auf der Seite myheimat.de vom 18. Juni 2011, zuletzt abgerufen am 15. März 2019
  11. ↑ Vergleiche die Angaben im Katalog der DNB
  12. ↑ Vergleiche dazu die Angaben im Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen auf der Seite arcinsys.niedersachsen.de

Koordinaten: 52° 19′ 49,7″ N, 9° 46′ 29,8″ O